Blog: The Storys behind- by Flo

Als standard- Musikfan hat man ja immer nur einen sehr eng geschnittenen Einblick in das was wirklich hinter den Kulissen einer Band abgeht. Damit meine ich nicht nur die Dinge die angeblich in dem sagenumwobenen Backstage passieren. Nein, ich beziehe das auch auf die organisatorischen Dinge, die Anstrengungen, die hinter einer knappen Stunde RockNRoll Show stecken. Das soll sich jetzt ändern. Ich werde in diesem Blog gnadenlos berichten, was wirklich dahintersteckt!

 

#1 Blogstart -

 

Zum Anlass nehme ich die vergangenen Samstag stattgefundene Show mit Bonfire. Ich wurde im Februar von Hans Ziller angesprochen, ob wir spielen möchten bei dem Rockfestival vor dem Oldtimerhotel. Ein guter Slot (Spielzeit) wurde versprochen, eine Stunde Spielzeit. Gage sollte es keine geben.

 

Eigentlich machen wir so etwas nicht mehr. Nicht weil wir Geldgierig sind. Nein einfach nur deshalb, weil wir mit der Gage die Kosten der Band finanzieren können. Und damit meine ich nicht unsere Bandraummiete, Kosten für das Equipment oder irgendwas in der Art. Damit sind nur die Kosten gemeint, die unseren Fans zu Gute kommen. Die Produktion von Cd’s, Videos, T-Shirts usw…

 

 

 

 



Die Produktion der Maxi „The Phantom Song“ z.B. lag immerhin bei knapp 5000€! Alle Gelder die wir einnehmen werden direkt in solche Projekte gesteckt. Kein einziges Bandmitglied bekommt etwas für die Schlepperei, Fahrerei, was auch immer.

 

Die Leidenschaft treibt uns an, nicht das Geld!

 

Ich habe bei diesem Rockfestival aus verschiedenen Gründen zugesagt:

 

1.      Wir wollen spielen!

 

2.      Vielleicht erschließen sich neue Fans

 

3.      Auf großen Bühnen mit professionellen Technikern zu spielen macht (normalerweise ) großen Spaß

 

4.      Ich ging auch davon aus, dass die Veranstaltung keinen Eintritt kostet

 

Punkt 4 wurde bald revidiert, als ich erfuhr, dass über 20 Euro Eintritt verlangt wird. Jetzt die Frage:

 

Warum kann ich dann den Vorbands keine Gage zahlen?

 

Weils ja Werbung für uns ist. Schon klar. In der Information der Veranstaltung stand anstatt unserem Bandnamen“ u.v.m“ ….  So viel dazu…

 

Dann, eine Woche vor dem Date, der nächste Hammer. Bei der Nachfrage nach einem Zeitplan für die Show, Aufbauzeiten, was wird gestellt usw. kam die Antwort „ wir müssen alles selber mitbringen….die Anlage von Bonfire ist unantastbar!“ 

Unantastbar.

Soso. Hört sich so an als würde das im Bonfire Grundgesetz stehen. Ich bin lange genug im Geschäft um zu wissen, dass man nicht über die Gitarrenamps oder das Drumset des Headliners spielt. Ok, kein Problem, wir sprechen uns mit den anderen beiden Bands ab. Rebellious Spirit wollen unbedingt mit ihrem Set spielen, Snakebite würden auch mit unserem spielen. Also mindestens drei Sets auf der Bühne. Ok, deal with it!

 

 

Aber der Zeitplan? Man erinnere sich an das Versprechen einer guten Spielzeit. Laut dem zugeschickten Zeitplan sollten wir als Erstes spielen. Sorry, aber das ist keine gute Spielzeit! Ich schrieb eine weitere Email und uns wurde zumindest eine etwas bessere Spielzeit gegeben. ABER! 45 Minuten anstatt der versprochenen Stunde und, das ist immer der Oberhammer, kein Soundcheck, nur Linecheck. Das heißt: Einschalten, Einstecken, schauen ob alles geht und dann gleich spielen.

 

Tolle Wurst!

 

 

Ich hatte gute Lust das Ganze abzusagen. Aber es wollten viele unserer Fans kommen, also entschied ich mich den Ärger runterzuschlucken und es durchzuziehen. Ich stellte mich auf Ärger ein, aber was da alles geschah, übertraf meine Vorstellungen noch um ein gutes Stück!

 

Bild links: Ruhe vor dem Sturm...

Unsere „Get in“ Zeit war 15:30, Bonfire sollte da bereits mit Soundcheck fertig sein. Natürlich war das nicht so…. wie das bei fast allen Headliner Bands ist,  überziehen die immer ihre Soundcheckzeit. Das heißt immer, dass sich alles nach hinten verschiebt, was das Aufbauen usw. betrifft. Nicht allerdings die Spielzeiten. Das wiederum heißt, die anderen Bands haben extremen Stress und werden wahrscheinlich nicht wirklich fertig mit den Vorbereitungen. Davon kriegt ja so der Standard Besucher nichts mit. Was auch eigentlich gut so ist, schließlich wollen wir unseren Fans ja ein unbeschwertes Konzert darbieten.

 

Zeit für den nächsten Aufreger: Wir dürfen größtenteils nicht über unser Equipment spielen, sollen die Boxen von Rebellious und deren Drumset verwenden. Weil: Es sind keine Kabel und Mikros mehr da für eine Abnahme! Juhu! Da kommt ‚Freude auf! Vor allem bei den Drummern, weil eben jedes Drumkit unterschiedlich aufgestellt ist, vor allem das von Rebellious. Das ist so als müsste ich mit einer Fender spielen, oder einer Ukulele. Noch schlimmer traf es den Drummer von Snakebite, der eigentlich Linkshänder ist und demnach ein Drumset auch komplett anders aufgebaut werden muss. Aber er durfte es nicht verändern! Nach ein paar Diskussionen schleppten wir unsere Marshall Fullstacks ( Zwei 4x12er Boxen mit Verstärkertopteil oben drauf) dann doch auf die Bühne. Schließlich musste das Mikro ja nur umgestellt werden von der Box von Rebelliuos zu unserer… sollte also eine zu bewältigende Aufgabe sein.

 

Leider ging es mit unserer Ampeg Bass Box gar nicht. Wegen irgendeinem lächerlichen Kabel-Thema. Schade. Professionelle Tontechniker hätten das hingekriegt. Aber wir wurden von allen Technikern nur als Belastung angesehen, was man uns auch spüren ließ. Bestätigt wurde dieser Eindruck dann noch durch eine Aussage des Bonfire Managers, die es in sich hatte:

 

 „ Wenn die Vorbands ein Problem haben, können sie auch wieder gehen, die braucht eh keiner!“  

 

Ja, das ist noch die alte Riege! Headliner = heilige Kuh   Supportband = überflüssiger Ballast

 

Zumal ich aus Erzählungen weiß, dass Bonfire selbst in den 80gern von Headlinern schlecht behandelt wurde. Nun wird das eben weitergegeben…. Schade.

 

Ok, Mindset:

 

Trotz widrigster Bedingungen eine gute Show spielen für unsere Fans und dann Abhaken!

 

Bild Links: Waiting for the Show

Als dann Snakebite fertig waren (die übrigens eine astreine saugeile Show hingelegt haben!!!), kamen wir dran. Alles an den richtigen Platz stellen, einstecken, einstellen usw…  Was passiert? Mein Gitarren - Sender geht plötzlich nicht mehr. Kommt nichts raus. Kanal passt, Batteriestatus OK. Kabel alle eingesteckt. Alles sieht nach „Go“ aus. Aber es kommt nichts raus! Tausend Dinge schießen einem durch den Kopf. Liegt’s an der Gitarre? Liegt’s am Amp? Liegt’s an einem der Kabel? Ist an dem Sender, oder dem Empfänger irgendwas falsch eingestellt? Und und und… es gibt theoretisch zig Ursachen für sowas. Um es zu betonen: Mein Equipment ist nur vom Feinsten und bestens gewartet. Trotzdem passiert einem dann sowas. Und das genau bei so einem Gig, wo sowieso alles nicht so läuft, wie es laufen soll! Klassiker!

Ok, ich teste mit Kabel. Geht! Naja, zumindest etwas. Lorenz kommt schon rüber, fragt nach was los ist. Checkt alles nochmal durch. Alles ist Ok! Die Zeit drängt. Der Mischer fragt schon durch, ob wir so weit sind. Eine Entscheidung muss her.

 

In Sekunden!

 

Ok, muss ich halt mit Kabel spielen. Hab ich schon ewig nicht mehr gemacht, weil ich es hasse mit Kabel zu spielen. Sogar in der Bandprobe spiele ich mit Sender, weil ich Kabel hasse! Man hat die ganze Zeit das Gefühl irgendwo damit hängen zu bleiben, drüber zu stolpern, usw. usw… 

 

Nächstes Problem: Mein Kabel ist nur solange, dass es vom Empfänger zur Buchse am Amp reicht. Knapp zwei Meter. Ich würde nicht mal bis zum Mikro vorkommen damit!

 

Verdammt!

 

Ok, ich stürze die Treppen der Bühne runter und frage die Jungs von Snakebite ob die ein Kabel haben. Ja, haben Sie! Wieder rauf auf die Bühne. Kabel einstecken. Checken. Passt! Kann losgehen! Gitarre kurz durchgestimmt. Passt. Wie erwartet darf jeder kurz mal in sein Mikro husten, eine halbe Gitarrensaite anschlagen und schon muss es losgehen! Spaß ist was anderes.

Unser Intro von „The Phantom Song“ spielen wir normalerweise ein per USB Stick oder irgendwas in der Art. Die Antwort vom Mischer “ Auch noch Sonderwünsche?“  Ja, es ist ja auch unheimlich schwierig einen USB Stick einzustecken und auf Play zu drücken. Kann ich verstehen. Da sind sogar „Profis“ überfordert. Das heißt, Intro muss gespielt werden, der Ganze Showeffekt mit Phantom-Sound usw. geht verloren. War ja eigentlich klar, dass es so kommen muss mit dem ganzen Drumherum.  

 

 

 

Ok, es geht los. Keiner konnte testen wie er den anderen hört. Genau so kam es dann natürlich auch. Ich hörte die Gitarre vom Lorenz gar nicht, kein Stück. Der Bass relativ leise, genau wie das Schlagzeug. Naja zumindest hörte ich meine Gitarre und meinen Gesang gut. Wenigstens etwas. ABER! Eine gute Performance hängt davon ab, dass jeder in der Band das hört, was der Andere spielt. Sonst stehen vier Einzelkünstler auf der Bühne und jeder kocht sein Süppchen. Ok. Nach dem Phantom Song sag ich was zum Mischer. Plötzlich, bei meinem Gitarren- Solo knackt es ein paar Mal aus meinen Boxen raus und der Gitarrensound ist weg. Komplett! Schock!

 


Ok, „Don’t Panic!“ heißt es in so einem Moment. Klar, es können wieder tausend Sachen schuld sein. Ich wackle an der Buchse am Amp. Nichts. Kein Sound. Ich wackle an den Kabeln an meinem Booster und dem Stimmgerät. Eins nach dem anderen wird angefasst. Da! Beim letzten Kabel, das vom Stimmgerät zurück zum Amp geht, zeigt sich eine Reaktion. Ich hab wieder Druck! So, wo sind wir jetzt grad? Mitten im Solopart. Ich improvisiere noch ein paar schnelle Licks rein und versuche den Ausgang aus dem Solo zu finden. Puh, grad noch so gerettet!   

 


Bild Oben: Aufgrund der großen Entfernung auf Open Air Bühnen, hört man von seinen Mitstreitern ohne Monitor gar nichts!

Der Song ist aus, ich äußere dem Mischer meinen Wunsch die zweite Gitarre auf meinen Monitor zu bekommen und mir wird mein Wunsch erfüllt. Gut, zwar nicht perfekt, aber immerhin höre ich jetzt ein bisserl was von dem was er spielt.

 

Zur Info: Ein guter Soundcheck, für eine gute Show, bei der sich die Musiker auf der Bühne wohlfühlen, dauert ca. 30-45 Minuten. Bei uns! Bei den Profibands natürlich länger. Der Teufel weiß warum. Aber das was wir da bekommen haben ist eben einfach mal gar nichts.

 

Das ist dann so, dass man seine Sachen spielt/singt und hofft, dass man mit den Anderen im Einklang ist. Entsprechend oft musste ich aber dann feststellen, dass ich geringfügig daneben war, was den Drumbeat betraf. Beungünstigt wurde das durch die Tatsache, dass unser Drummer sämtliche Songs langsamer spielte als sonst. Wahrscheinlich bedingt durch das fremde Drumkit. Gut, das sind Nuancen, die wahrscheinlich nur ich und Lorenz hören, aber wir haben eben einen hohen Anspruch was das betrifft. Wie schon unser Produzent und Toningenieur Tom Müller vom Flatliners Studio immer wieder gepredigt hat:

 

 „ Es muss tight sein!“

 

Das ist einfach das Maß unserer Dinge! Und wenn ich dann solche Sprüche höre, wie „Ein guter kann`s auch so!“ dann muss ich sagen, hat dieser Mensch keine Ahnung! Er war noch nie auf einer Bühne gestanden! Gerade die Guten, die Berühmten, die Besten, wollen einen perfekten Bühnensound, weil sie sonst nicht einwandfrei „performen“ können, wie man heute so unschön sagt.

 

Der Rest der 45 Minuten ging ohne größere Zwischenfälle über die Bühne. Dann hieß es, so schnell wie möglich sein Zeug zu packen und die Bühne für die nächste Band zu räumen. Da geht der Ärger schon wieder los. Tontechniker stehen im Weg, machen Stress. Die nächste Band steht im Weg, macht Stress. Leute! Das ist doch eigentlich ganz einfach. Wie im Bus, der U-Bahn, dem Aufzug usw. Erst die Leute aussteigen lassen die drin sind und DANN! erst einsteigen! Dann geht das auch schnell! Und wir sind schnell! Wir sind das ja gewohnt. Wir sind wirklich extrem schnell was das betrifft! Wenn man uns machen lässt!!! So einfach ist das.

 

Irgendwann hatten wir aber wieder alles runtergebracht und im Bandbus, meinem Vau, verstaut. Ich liebe meinen Vau. Er ist zwar schon alt, aber er bietet einige Vorteile und ist sehr bequem. Im Normalfall, sitzen sechs Leute drin und das Equipment ist im Anhänger. Aber bei Heimspielen ist alles im Bus und jeder fährt selbst.

 

FAZIT:

 

Langes Ersatzkabel mitnehmen wenn der Sender wieder versagt.

 

Gigs werden in Zukunft besser ausgewählt. Es wird vertraglich im Vorfeld geregelt, dass wir einen ordentlichen Soundcheck bekommen und dass wir unser eigenes Equipment spielen dürfen. Wir machen das alles aus Spaß und Enthusiasmus. Aber wenn es so läuft, haben wir keinen Spaß!

 

 

Zumindest hatten die Zuschauer ihren Spaß. Der Sound draußen muss ganz ordentlich gewesen sein. Somit haben wir unser Primärziel erreicht!

 

Auf zu neuen Ufern!

 

Impressions